Von S.Henfling
Kommt ein Baby um Monate zu früh, ist häufig das Letzte, woran man denkt, ein Buch zu lesen. Tun Sie es! Lesen Sie dieses Buch!!
Frühcheneltern werden von ihrer Situation meist völlig überrollt und überlassen sich in ihrer Verzweiflung und Hilflosigkeit dem Ärzteteam, bei dem sie - mehr oder weniger zufällig - gelandet sind. Inwieweit dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, können sie aber weit besser beurteilen, wenn sie das Buch von Dr. Marcovich gelesen haben. Denn die Medizin ist sich in der Behandlung von Frühchen nicht ganz so eins, wie man vielleicht glauben mag. Vor 15 Jahren noch war der Glaube an die Macht der Apparatemedizin ungebrochen. Dr. Marcovich hat viel dazu beigetragen, sanfteren Methoden den Weg zu ebnen und die Kinder individueller zu betrachten und zu behandeln. Sie ist keineswegs gegen Apparatemedizin, setzt sie aber nur ein, wenn unbedingt nötig, da sonst häufig mehr Schaden als Nutzen die Folge sein kann.
Frühcheneltern sollten das Schicksal ihres Babys nicht einfach blind einem Arzt anvertrauen, sondern sich gezielt über die Bandbreite der gängigen Behandlungsmethoden informieren. Denn letztendlich treffen sie die Entscheidung, wie ihr Baby behandelt werden soll.
Hinzu kommt, dass Eltern - auch wenn ihr Kleines noch im Brutkasten liegt und an viele Geräte angeschlossen ist - sehr viel mehr für ihr Kind tun können, als hoffen und beten. Dieses Buch informiert sachlich, kritisch und kompetent über alle Bereiche, die Frühcheneltern bewegen. Sehr zu empfehlen!
Im Übrigen: Einfach und schnell zu lesen. Gut gegliedert, flüssig geschrieben, kein Fach-Chinesisch.
Von Wolfgang V.Lüttichau
Auf die Möglichkeit von frühen Traumatisierungen vor, während und nach der Geburt wurde schon von Fachleuten verschiedener Disziplinen hingewiesen, z.B. von O. RANK, L. JANUS, F. LEBOYER, A. GRUEN, P. ORBAN, P. SCHELLENBAUM, R. HOCHAUF und A. TOMATIS.
Die Wiener Kinderärztin Marcovich belegt durch ihr eigenes (lange angefeindetes, inzwischen jedoch zunehmend anerkanntes) Pflegekonzept, daß ein routinemäßiger Einsatz von 'unterstützenden' Medikamenten und riskanter Intensivmedizin bei Frühgeborenen oft überflüssig ist und massive physische und psychische Schäden hervorrufen kann. Dazu kommt, daß durch die Maßnahmen der Apparate-Medizin (soziale Isolation!) der Aufbau jenes für die gesunde psychische Entwicklung notwendigen Urvertrauens (E.H. ERIKSON) fast unmöglich wird.
Fast sechs Prozent aller Neugeborenen in Deutschland kommen zu früh zur Welt. Und wenn sich Menschen mit Angst-, Bindungs- und Antriebsstörungen oder psychosomatischen Problemen auf Nachfrage gar nicht so selten als Frühgeborene herausstellen, gibt (mir) das doch zu denken..
Das Buch enthält grundlegende Informationen zur Situation von Frühgeborenen, zu Folgeschäden der Intensivmedizin sowie die umfassende Darstellung der Methode Marcovich.
Für diesen Problemkreis durch nichts zu ersetzen, - für MitarbeiterInnen sozialer Berufe wie für Betroffene und nicht zuletzt: für werdende Eltern!